Kleiner Raum

Fotos: Robert Mrkvicka
Fotos: R. Mrkvicka, M. Bein
Fotos: M. Bein, R. Mrkvicka
Fotos: Franz Svoboda
Fotos: G. Ramharter, R. Mrkvicka

Wenzgasse 12
Architekten Josef Frank, Oskar Wlach, 1929/30

Die Villa Beer wurde 1929/30 als Wohnhaus für die Unternehmerfamilie Julius und Margarete Beer von den Architekten Josef Frank und Oskar Wlach erbaut. Sie gilt als Schlüsselwerk der zweiten Wiener Moderne und steht seit 1987 unter Denkmalschutz.
Das Areal der Villa zwischen Lainzerstraße und Hietzinger Hauptstraße war ein von 1861 bis 1882 als „Neue Welt“ betriebenes Vergnügungsetablissement. 1883 wurde das Gebiet parzelliert und 1892 nach Wien eingemeindet. Die Unternehmerfamilie Julius und Margarete Beer erwarb dort in den 1920er Jahren ein großes Grundstück und ließ die Villa als Wohnhaus 1929/30 errichten. Die Familie wohnte mit den drei Kindern nur bis 1932 darin, wegen finanzieller Schwierigkeiten. Der Großteil der Familie konnte 1938 in die USA flüchten.
Zuletzt viele Jahre leerstehend, war die Villa dem Verfall preisgegeben, bevor sie Lothar Trierenberg vor fünf Jahren erwarb. Nach umfassender, mehrjähriger Restaurierung unter Leitung von Hausherr Trierenberg und der Villa Beer Foundation unter Aufsicht des Bundesdenkmalamtes, ist sie seit 8. März 2026 für die Öffentlichkeit zugänglich.
Die schmucklose Fassade besticht mit dem Erker, den Proportionen und den unterschiedlichen Fenstern in ihrem gestalterischen Ausdruck. Sogar der Schattenwurf der Bäume auf die weißen Wandflächen wurde berücksichtigt.
Ziel war es, den einzigartigen Charakter des Hauses mit ca. 900 m² Nutzfläche wieder herzustellen. Nur im Kellergeschoß, in dem sich die Garage, Haustechnik, Lagerräume usw. befanden, wurden größere Umbauten vorgenommen und das Kundenzentrum errichtet.
Vom Erdgeschoß bis zum Dachgeschoß wurden nachträglich eingezogene Wände entfernt, um die ursprüngliche offene Raumabfolge wieder erlebbar zu machen. Architektonische Details an den Fenstern, Fußböden, Kaminen, Radiatoren usw. wurden fachgerecht restauriert oder nachgebaut, wie z.B. die Lichtschalter im 3D-Drucker. Die sorgfältige Auswahl der Textilien für Vorhänge und Sitzmöbel ist beeindruckend.
Die Raumabfolge mit unterschiedlichen Niveaus, Raumhöhen und Sichtachsen hinterlässt einen unverwechselbaren Eindruck. Vor allem die zweigeschossige Halle mit dem gartenseitigen Erker und der offenen Verbindung zum Musiksalon im Zwischengeschoß ist einzigartig. Die Hausherrin war Pianistin und konnte mit dem Spiel auf dem Bösendorferflügel den gesamten Wohnbereich beschallen.
Auch die Schlafräume und Kinderzimmer im 1. Stock, von denen nur einzelne originale Schrankmöbel vorhanden sind, sowie den Dienstbotentrakt mit Küche und eigener Wendeltreppe wurden rekonstruiert.
An der Gartenseite des Gebäudes dominieren die großen Fensteröffnungen und mehrere Terrassen in Erdgeschoß und Obergeschoß.
https://www.villabeer.wien/home

Fotos: Robert Mrkvicka

Die Werkbundsiedlung ist eine 1932 eröffnete Musterhaussiedlung im Bezirksteil Lainz zwischen Veitingergasse und Jagdschlossgasse.
31 Architekten aus dem In- und Ausland planten 70 hauptsächlich Einfamilienhäuser unter der künstlerischen Leitung des Wiener Architekten Josef Frank (siehe Villa Beer), der für die räumliche Gesamtdisposition der Anlage verantwortlich war.
Bei der Wiener Werkbundsiedlung stand „Wirtschaftlichkeit auf engstem Raum“ im Vordergrund. Die Häuser sind flächenmäßig sehr klein, zeichnen sich durch Funktionalität und Ökonomie im Detail aus, vermitteln aber durch Sichtbezüge und Durchblicke Geräumigkeit.
Bedingt durch die schlechte wirtschaftliche Lage in dieser Zeit konnten nur 14 Häuser samt Gärten verkauft werden, die anderen gelangten ins Eigentum der Wiener Stadtverwaltung und wurden vermietet.
1983-1985 wurden 56 der nach dem Krieg verbliebenen 64 Häuser renoviert und ein kleines Museum der Siedlung errichtet. Von 2012 bis 2019 erfolgte eine neuerliche Restaurierung und Renovierung in enger Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt. Alle Gebäude stehen unter Denkmalschutz.
2020 wurde der Werkbundsiedlung Wien das Europäische Kulturerbe-Siegel verliehen.

Haus Lurçat

Adresse Veitingergasse 87, 89, 91 und 93
Architekt: André Lurçat, Paris

Die Reihenhäuser von André Lurçat, einem der bekanntesten Vertreter des Funktionalismus in Frankreich, zählen mit ihrer geschlossenen blockhaften Gestaltung und den vor die Front gesetzten abgerundeten Stiegenhäusern zu den markantesten Bauten der Wiener Werkbundsiedlung.
Straßenseitig präsentiert sich das Bauwerk überaus streng und abweisend: Die monotone vierfache Wiederholung des vorspringenden Stiegenhauses, die schmalen schlitzartigen Fensteröffnungen und die massive, mehr als zwei Meter hohe Betonmauer als Grundstücksbegrenzung gegen die Veitingergasse verleihen der Anlage einen nahezu festungsartigen Charakter und machen sie dadurch zugleich zum markantesten Bauwerk der Siedlung. Die exponierte Lage wurde genützt, um an der Feuermauer einen in monumentalen roten Buchstaben gestalteten Schriftzug „Werkbund Siedlung 1932“ anzubringen.

Haus Haerdtl

Veitingergasse 115 und 117
Architekt Oswald Haerdtl, Wien Die Häuser Nr. 39 und Nr. 40 in der Wiener Werkbundsiedlung stellen die ersten realisierten Bauten in Oswald Haerdtls umfangreichem Schaffen dar, das eine beinahe einzigartige Kontinuität von der Zwischenkriegszeit bis in die späten 1950er-Jahre aufweist.
In der Werkbundsiedlung wurde Oswald Haerdtl von Josef Frank der spitzwinkelige Baugrund Ecke Veitingergasse / Jagdschlossgasse zugewiesen. Die gegen die Straße geschlossen wirkende Häusergruppe setzt sich aus zwei völlig konträren Bauten zusammen: Während es sich bei Haus Nr. 39 um einen Reihenhaustypus mit eher traditionellem Grundriss handelt, ist Haerdtl mit dem Haus Nr. 40 ein Gebäude von hoher städtebaulicher Qualität, kombiniert mit einer sehr durchdacht konzipierten inneren Gliederung gelungen. Das geräumige Dachatelier mit umlaufender Terrasse – ein aus manchem Blickwinkel beinahe turmartiger Aufsatz – setzt einen markanten städtebaulichen Akzent am nordwestlichen Eckpunkt der Wiener Werkbundsiedlung.
https://www.werkbundsiedlung-wien.at/