Kumbh Mela ist das größte Fest im hinduistischen Glauben und findet im Schnitt nur alle drei Jahre statt.
Wörtlich übersetzt bedeutet es „Fest des Kruges“ und geht auf eine Episode der indischen Mythologie zurück: beim Kampf um den Krug mit dem „Nektar der Unsterblichkeit“ zwischen Göttern und Dämonen wurden vier Tropfen dieses Nektars auf die Erde verschüttet. Diese vier Orte am Ganges werden als heilig betrachtet und feiern abwechselnd alle drei Jahre (bestimmt durch Himmelskörper-Konstellationen) das Fest Kumbh Mela. Prayagraj sticht heraus, weil dort alle 12 x 12 = 144 Jahre die „Große“, die „Maha“ KumbhMela stattfindet – das war auch 2025 der Fall.
Im Zeitraum vom 13. Januar bis 26. Februar 2025 versammelten sich Pilger:innen, Gurus, Asketen und Sadhus – Heilige Männer – am „Triveni Sangam“, dem Zusammenfluss des Ganges mit dem Fluss Yamuna (und dem unsichtbaren, mythischen Fluss Saraswati) um ein rituelles Bad zu nehmen, zu beten und an spirituellen Zeremonien teilzunehmen. Mit dem Bad erreicht man nach dem hinduistischen Glauben die Befreiung von den Sünden und die Erlösung vom ewigen Kreislauf von Geburt und Wiedergeburt. Daher trachtet jeder hinduistische Gläubige, zumindest einmal im Leben an einer Kumbh Mela teilzunehmen.
Zur Kumbh Mela kommen Gläubige aus aller Welt. In diesen sechs Wochen strömten heuer insgesamt an die 600 Millionen Gläubige nach Prayagraj!

Michael Weichinger: 2 Sadhus
Sadhus ziehen eine große Anhängerschar an, in Zelten meditieren und beten sie, halten Zeremonien ab und segnen die Gläubigen.

Maria Bein: Naga Babas
Besonders stechen die Naga Babas ins Auge: sie sind nackt, nur mit Asche bekleidet und leben asketisch nach strengen Regeln. Am ersten Hauptbadetag dürfen sie als erste ins Waser, um die rituellen Waschungen vorzunehmen. Sie verehren Shiva, den „Zerstörer“-Gott des Hinduismus, und sind kämpferisch eingestellt, was sie auch an ihren Attributen zeigen.

Maria Bein: Auf dem Weg zum Sangam
Die Farbe Orange hat im Hinduismus eine besondere Bedeutung: sie wird zu religiösen Anlässen, zu bestimmten Fastenzeiten und Zeremonien getragen. Aber auch Menschen, die sich dem spirituellen Leben widmen, nutzen die Farbe Orange, z.B. Mönche und Sadhus. Auch viele Gläubige tragen festliche, orangefarbene Kleidung bei der Kumbh Mela.

Maria Bein: Prozessionswagen
Aufprächtig geschmückten Prozessionswagen ziehen Sadhus mit ihrer Anhängerschar zum Fluss. Es dauert Stunden, bis die Hunderte Wagen das Flussufer erreicht haben. Dabei wird gesungen, getanzt und gebetet.

Hier wird das Chillumherumgereicht, ein Holzröhrchen, das zum Rauchen mit Cannabis gefüllt ist und üblicherweise gemeinschaftlich geraucht wird.
Maria Bein: Cillum




Für dieses enorme Menschenaufkommen muss auch die nötige Infrastruktur geschaffen werden und dafür leistet die indische Regierung Gewaltiges: am Gangesufer werden Areale für Zelte, Wasser-und Stromleitungen und lange Reihen von Toilettehäuschenaufgebaut. Für die Wohlhabenderen werden gut ausgestattete Zelte errichtet, die Ärmeren schlafen in improvisierten Behausungen.
Ambulanzwägen und temporäre Spitäler sind über das riesige Areal verteilt und an die 20 temporäre Pontonbrücken überspannen Ganges und Yamuna.
Die Zugangswege zu den Flüssen und die Brücken werden bei großem Andrang im Einbahnsystem geregelt, Polizei und Militär sorgen für geregelte Abläufe.
Große Garküchen versorgen die Gläubigen.
Die Badeareale sind mit Absperrungen aus Plastikbojen in Ufernähe abgeteilt, damit die Badenden nicht von der Strömung mitgerissen werden, dazu sind Rettungsboote mit Hilfskräften rundum vertäut.
Trotz all dieser Vorkehrungen kommt es bei jedem Fest zu Unfällen: beim Ansturm der Gläubigen zu den Badestellen, besonders an den Hauptbadetagen, sind auch heuer wieder Menschen zu Tode getrampelt und viele verletzt worden!
