Fotoreise Danzig Oktober 2025

Wieder einmal veranstaltete die Fotogruppe Meidling eine Fotoreise für ihre Mitglieder. Diesmal ging es Anfang Oktober 2025 nach Danzig. Organisiert wurde die Reise von Wolfgang Ehrendorfer über ARR. Wolfgang arbeitete ein abwechslungsreiches Besichtigungs- und Fotoprogramm aus, das bei den fünf Teilnehmenden großen Anklang fand – dafür bedanken wir uns bei Wolfgang ganz herzlich!

Unser modernes, gemütliches Hotel – „Hanza“ – liegt ganz zentral, am Ufer der Mottlau, einem Mündungsarm der Weichsel. Entlang des Mottlaukais liegen alte Bürgerhäuser, aber auch Hotels und Restaurants. Dazwischen führen mächtige Tore von der Mottlau in die Stadt.
Am Nachmittag nach unserer Ankunft machen wir einen ersten Stadtbummel und staunen über die gelungene Restauration der Häuser. Danzigs Innenstadt wurde 1945 beim Einmarsch der Roten Armee zu 90% zerbombt und nach dem Krieg als Prestigeobjekt der polnischen kommunistischen Regierung mit großen Anstrengungen originalgetreu wieder aufgebaut.
Uns fallen mehrere Dinge auf: die unterschiedlich gestalteten Giebelhäuser, die Strenge der gotischen Kirchen, die durchwegs aus roten Ziegeln (Backsteinen) gebaut sind und der allgegenwärtige Bernstein, das „Gold der Ostsee“, der in und vor den Geschäften in verschiedenster Verarbeitung angeboten wird!

Für den nächsten Vormittag hat Wolfgang eine Stadtführung für uns organisiert, Martha führt uns sachkundig und mit Engagement durch ihre Stadt und wir lernen Danzigs verschiedene Seiten kennen.

Krantor


Im hoch aufragenden Krantor war eine gewaltige Krananlage zum Ent- und Beladen der Schiffe installiert, die von zwei riesigen Treträdern bedient wurde – die mit Menschenkraft angetrieben wurden (das kann man sich wie überdimensioniertes Hamsterrad vorstellen). Uns wurde versichert, dass das nicht Sklavenarbeit war, sondern ein lukrativer, wenn auch anstrengender Job für angestellte Arbeiter.
Im Krantor wird auch die Hanse-Geschichte Danzigs anhand eines fiktiven Kaufmanns nachgestellt, was einen lebendigen Eindruck der damaligen Zeit hinterlässt.

Speicherinsel

Über eine Drehbrücke, die abwechselnd jede halbe Stunde für FußgängerInnen und für Schiffe geöffnet wird, gelangen wir auf die Speicherinsel. Hier standen die Vorratsspeicher der Kaufleute. Auch sie waren zerbombt worden, aber großteils nicht mehr originalgetreu wiederaufgebaut worden, weil architektonisch nicht so interessant. Stattdessen entstanden moderne Apartment- und Geschäftshäuser und Hotels in Backsteinoptik mit Giebeln, die sich gut in das allgemeine Stadtbild einfügen. Eine Statue erinnert an den ehemaligen Bürgermeister Adamowicz, der die Revitalisierung der Speicherinsel initiiert hatte und 2019 einem Attentat durch einen psychisch Kranken zum Opfer fiel. Von der Speicherinsel aus bietet sich anschaulich das Stadtpanorama mit seinen roten Ziegeltoren an der Mottlau und den die Dächer überragenden Kirchtürmen dar.

„Goldener Weg“

Über die Grüne Brücke und durch das Grüne Tor (als Königsresidenz für die Aufenthalte der polnischen Könige gebaut) geht es den „Goldenen Weg“ (den Weg, den der polnische König bei seinem Besuch nahm) durch das Herz der Stadt: am Langen Markt und in der Langen Gasse liegen die schönsten Giebelhäuser sowie das Rechtstädtische Rathaus. Die Giebelhäuser reihen sich dicht aneinander, jedes hat eine anders gestaltete Fassade, von schlichtem Fassadendekor bis reich mit Figuren und Golddekor besetzten Fronten. Die „Rechtstadt“ ist der Stadtteil der Hanse-Kaufleute, von diesem Stadtteil geht das Stadtrecht aus (im Gegensatz zur „Altstadt“, wo die einfachen Handwerker und Fischer lebten).
Man kann sich gut in die Blütezeit des Hanse-Handels versetzen, in dem Danzig vom Mittelalter bis in die frühe Neuzeit eine bedeutende Rolle spielte. Die aus Deutschland stammenden Danziger Patrizier wurden wohlhabend durch den Handel mit dem nördlichen Osteuropa (Ostsee, Baltikum bis Russland), Danzig war der wichtigste Exporthafen für Holz und Getreide.
Der „Artushof“ war der Versammlungsort der Danziger Patrizier, davor steht der Neptunbrunnen, Neptun als Meeresgott war Symbol für den Reichtum bringenden Seefahrerhandel.
Martha macht uns auf die typischen „Beischläge“ aufmerksam, erhöhte Terrassen vor den Hauseingängen, wegen der stets drohenden Hochwässer.
Am Ende des Goldenen Weges geht es durch das Goldene Tor zum dahinterliegenden Peinkammertor mit dem Stockturm, das ehemalige Gefängnis und Wohnung des Scharfrichters.
Das Große Zeughaus im manieristischen Stil unweit davon zeugt vom Selbstbewusstsein der Bürger.
Am Nachmittag genießen wir den Rundblick über die Innenstadt vom Rathausturm aus und sind beeindruckt von den prächtigen Versammlungssälen.
Das Uphagenhaus mit seiner originalen Rokokoeinrichtung bietet eine Vorstellung vom Leben der Reichen im 18. Jahrhundert.

Bernsteinmuseum

Den krönenden Abschluss bildet das Bernsteinmuseum, wo auf 2 Etagen ein Überblick über den für die Ostsee so wichtigen Rohstoff – einem fossilen Baumharz – erklärt und ausgestellt wird: eindrucksvolle Bernsteinstücke mit fossilen Einschlüssen, große Brocken Bernstein verschiedenster Herkunft und kunstvoll verarbeiteter Bernstein.

Frachtschiff Soldek

Am nächsten Tag besichtigen wir ein für die polnische Nachkriegsgeschichte wichtiges Schiff: die „Soldek“. Es war der erste Frachter, der nach dem Zweiten Weltkrieg vollständig auf der Danziger Werft gebaut wurde und daher als wichtiges Symbol für den Wiederaufbau der polnischen Schifffahrtsindustrie gilt. Der dampfbetriebene Kohle- und Erzfrachter wurde nach dem Werftarbeiter Stanisław Sołdek benannt, der das Plansoll am höchsten übertroffen hatte. Von 1949 bis 1980 unternahm die Soldek Fahrten in Ost- und Nordsee bis zum Atlantischen Ozean. Man kann das Schiff in einem Rundgang erkunden, von den Maschinenräumen über die Mannschaftsräume bis zur Kapitänsbrücke und erhält einen authentischen Einblick in die polnische Seefahrtsgeschichte der Nachkriegszeit.
Einige von uns waren auch im angeschlossenen Maritimen Museum, das eine Ausstellung zur Geschichte der polnischen Seefahrt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, eine Galerie mit maritimer Malerei, sowie eine Ausstellung zur Unterwasserarchäologie präsentiert.
Das architektonisch hervorstechende Museum des 2. Weltkriegs besichtigen wir nur von außen.

Solidarność

In der neueren Geschichte ist Danzig als Geburtsort der Solidarność-Bewegung bekannt, die Gründung der größten freien Gewerkschaftsbewegung in einem sozialistischen Staat, aus einem Streik in der Leninwerft hervorgegangen. Der Anführer, Lech Walesa, erhielt 1983 den Friedensnobelpreis und wurde nach dem Fall des Eisernen Vorhangs Staatspräsident von Polen. Auf dem Werftgelände, von wo aus die Bewegung ihren Anfang nahm, wurde ein modernes Kulturzentrum und Museum eingerichtet, wo es anschaulich aufbereitete Dokumentationen zum geschichtlichen Hintergrund, den Bürgerbewegungen und Streiks des kommunistischen Nachkriegsstaates und zeitgeschichtliches Film- und Zeitungsmaterial gibt.

Kirchen Danzigs

Die Kirchen Danzigs sind vorwiegend in Backsteingotik errichtet, ursprünglich katholisch, nach der Reformation evangelisch und jetzt wieder katholisch geweiht. Die Nikolaikirche ist die einzige 1945 nicht zerstörte Kirche Danzigs. Das Highlight hier ist der riesige Hochaltar aus der Spätrenaissance, der förmlich den Chor sprengt.
Die Katharinenkirche besticht durch den mächtigen gedrungenen Turm an der Westfassade. Im Inneren liegt der Danziger Astronom Johannes Hevelius begraben, der durch seine Mondforschungen berühmt wurde.
Marienkirche
In der Marienkirche steht eine Astronomischen Uhr aus dem Jahr 1470, die täglich zu Mittag ein Figurentheater mit Adam und Eva, den zwölf Aposteln und den vier Evangelisten zeigt.
Die Marienkirche ist die größte gotische Backsteinkirche und kann bis zu 25.000 Gläubige fassen! Das sehr helle weiße Innere ist späterer Zeit geschuldet, ursprünglich war sie komplett mit Fresken ausgemalt. In den Seitenaltären stehen zahlreiche gotische Flügelaltäre.

Marienburg

Einen Tag widmeten wir der Deutschordensfestung Marienburg.
Die Ordensburg ist die flächenmäßig größte Backsteinburg der Welt und ein herausragendes Beispiel mittelalterlicher Festungsbaukunst in Europa. Ab 1309 diente die gewaltige Anlage als Sitz des Hochmeisters und damit als Hauptstadt des Deutschordensstaates im Baltikum. Gerufen wurden die Ordensritter von deutschen Fürsten zur Unterwerfung und Missionierung der baltischen Stämme.
Die Anlage verfiel im Laufe der Jahrhunderte und erfuhr im 19. und frühen 20. Jahrhundert eine umfassende Restaurierung, die während des Zweiten Weltkriegs wieder zerstört wurde. Nach 1945 wiederhergestellt, bietet die Burg heute wieder einen Eindruck von der Großartigkeit der ursprünglichen Anlage, die von Wehrmauer mit Türmen und Graben umgeben ist. Das Mittelschloss um einen großen, baumbestandenen Innenhof gelegen, beherbergt im Hochmeisterpalast die zwei gewaltigen Remter (Refektorien), den Großen Remter und den Sommerremter.
Das Hochschloss ist das eigentliche Konventsgebäude mit Kreuzgang, Kapitelsaal und Refektorium. In der Marienkirche, die ebenfalls stark zerstört wurde, wurde bewusst das Ausmaß der Zerstörung sichtbar gelassen. In der Annenkapelle liegen Grabmäler der Hochmeister.

Wir hatten auch Gelegenheit einen Abend mit Mitgliedern der Danziger Photographischen Gesellschaft zu verbringen. Die Gesellschaft ist sehr aktiv und organisiert laufend Ausstellungen ihrer Mitglieder, von denen wir auch einige besucht haben. Außerdem konnten wir an der Eröffnung der Fotoausstellung von Anna Jakubowska teilnehmen, die einen Querschnitt ihrer Werke der letzten 20 Jahre brachte und die sehr gut besucht war.

Vernissage Anna Jakubowska

Zum Abschluss sind sich alle einig: es war eine wunderschöne Reise, die uns viel Neues und Interessantes nähergebracht hat – nicht zuletzt durch Wolfgangs hervorragend ausgearbeitetes Programm! Herzlichen Dank dafür!
Danzig lädt definitiv zum Wiederkommen ein!

Wolfgang Ehrendorfer, Großes Zeughaus