Klubgeschichte

Wir blicken zurück auf das Jahr 1919. Der Erste Weltkrieg war endlich vorbei, und die Menschen begannen sich langsam von seinem Schrecken zu erholen. Die vergangenen Jahre hatten kaum Gelegenheit dafür geboten, Kreativem im Sinne künstlerischen Schaffens freien Lauf zu lassen. Da kamen einige Leute in Wien Meidling auf die Idee, sich intensiver mit einem noch relativ neuen und ungemein attraktiven Medium auseinander zu setzen und zu beschäftigen: der PHOTOGRAPHIE. Von Vorteil für diese Leute war, dass sie alle einen gemeinsamen Hintergrund besaßen: Sie waren Mitglieder bei den „Naturfreunden“, einer Organisation, die 1895 in Wien von vier Männern als „Arbeitertouristenverein“ gegründet worden war. Dem Grundgedanken eines freundschaftlichen Miteinanders und dem Interesse, seine Freizeit attraktiv, herausfordernd und auch der Zeit gemäß zu gestalten, folgte eben im erwähnten Jahr 1919 die Gründung der Naturfreunde-Fotogruppe Meidling. Leider sind aus dieser Zeit kaum Unterlagen, die all dies dokumentieren, vorhanden. Aber auch das wenige zur Verfügung stehende Archivmaterial zeugt von einer regen Teilnahme am Vereinsgeschehen.
Die „Erste photographische Ausstellung“ mit 65 Bildern von dreizehn Mitgliedern wurde vom 6. bis 28. Mai 1922 veranstaltet. Allen wirtschaftlichen und politischen Wirren und Verirrungen zum Trotz wuchs die Anzahl der Mitglieder stetig und bei der 11. Fotoausstellung 1932 nahmen bereits 51 Fotografinnen und Fotografen mit 169 Aufnahmen teil.
Dann kam das Jahr 1934: Österreich hörte auf eine Demokratie zu sein und wurde unter Engelbert Dollfuß ein Ständestaat. So manches wurde aus politischen Gründen verboten, darunter auch der Verein der Naturfreunde samt seinen Fotogruppen. Was diese besonders hart traf, war die Konfiszierung der Vermögenswerte der Organisation durch den Staat.
Wir wissen, was in den Jahren bis 1945 geschah. Vielleicht erfolgte gerade deswegen nach dem Kriegsende eine rasche Neugründung der Landesverbände und damit verbunden auch der Naturfreunde-Fotogruppen. Da das Atelier und das Klublokal der Gruppe Meidling stark beschädigt worden waren, bedurfte es großer Anstrengungen der Vereinsmitglieder diese Räumlichkeiten wieder instand zu setzen. Die auszuführenden Aufgaben waren schwer zu bewerkstelligen, da aufgrund der Zerstörungen und der dramatischen wirtschaftlichen Situation andere Prioritäten zu setzen waren. Und dennoch schafften die Menschen Bemerkenswertes: 1949 konnte die 13. Fotoausstellung einer interessierten Öffentlichkeit präsentiert werden. Bis 1956 fanden die Ausstellungen im Atelier in der Karl-Löwe-Gasse und auch im Wiener Künstlerhaus statt. Mit der 21. Ausstellung im Jahre 1957 war die NF-Fotogruppe zum ersten Mal im Festsaal des Meidlinger Amtshauses zu Gast.
Es folgten äußerst produktive Jahre, und die „12er“ avancierten zu einem Wiener Spitzenklub, was die damaligen nationalen und internationalen Erfolge bezeugen. In dieser erfolgreichen Phase leitete Ing. Gabriel Hartenberger den Verein von 1965 -1994.
Bedauerlicherweise musste das Vereinslokal im Fuchsenfeldhof 1994 wegen der stark gestiegenen Miete aufgegeben werden. Es sollten Jahre der Unsicherheit folgen, die schließlich durch die Übernahme des Vereines durch Maria Bein 1998 beendet wurden, die seitdem die Fotogruppe führt. Am 1. März 2000 konnte ein neues Lokal im Meidlinger Amtshaus dank entsprechender Unterstützung durch die Bezirksvertretung gefunden werden. Ab diesem Zeitpunkt nahmen die Aktivitäten der Mitglieder enorm zu, was sich anhand von vielen Vorträgen, Ausstellungen und Teilnahmen an Wettbewerben sehr gut dokumentieren lässt.
Wir sind nun in der Gegenwart angelangt. Zu den Höhepunkten des Vereinsjahres dürfen die Vereinsmeisterschaft, die alljährlich im Frühjahr stattfindet, und die daraus resultierende Vereinsausstellung im Meidlinger Amtshaus gezählt werden. Diese umfasst mehr als 200 Exponate in diversen Sparten und ist damit eine der größten Klubausstellungen in Wien. Auch öffentliche Multimediavorträge gehören zum Programm. Diese Veranstaltungen finden im Rahmen der Meidlinger Bezirksfestwochen im Mai statt und werden vom Publikum sehr gut angenommen.
Neben den Aktivitäten in Wien ist die Fotogruppe auch international tätig. An Ausstellungen und Wettbewerben im europäischen Raum beteiligen wir uns mit großem Erfolg. Beim größten internationalen Fotosalon, dem Trierenberg Super Circuit, konnte 2014 nach 2012 bereits zum zweiten Mal ein Platz unter den besten Fotoklubs dieser Welt (Best Mixed Clubs), geehrt durch Goldmedaillen, erobert werden.
Durch die gute Zusammenarbeit mit dem Kulturforum Meidling wurde 2008 die erste Fotoausstellung einer Wiener Naturfreunde-Fotogruppe in Chengdu, VR CHINA, präsentiert.
Gemeinsame Reisen bereichern das Klubleben: St. Petersburg, Berlin, Irland, Namibia und Rajasthan waren schon Ziele der Fotogruppe.
Gegenwärtig besteht die Gruppe aus rund 50 Mitgliedern. Sie sind aktive und begeisterte Amateurfotografinnen und Amateurfotografen, die sich mit vielen verschiedenen Bereichen der Fotografie beschäftigen. Sie setzen sich mit unserer Umwelt im Großen wie im Kleinen auseinander, von der Architektur- bis zur Makrofotografie findet alles ihr Interesse. All die vorhin genannten Aktivitäten, aber auch Weiterbildungen prägen die wöchentlichen Klubabende, zu denen wir auch künftig an der Fotografie begeisterte Menschen einladen möchten.
Wir sind stolz. Wir sind stolz darauf, was wir bisher geleistet haben. Auf eine hundertjährige Geschichte zurückblicken zu können, erfüllt uns mit unglaublicher Freude und motiviert uns konsequent weiter zu arbeiten und uns an dem fantastischen Medium der Fotografie weiter zu erfreuen.

Gerhard Theissl, Schriftführer (f.d.I.v.)